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Tschernobyl forever?

Mit Tschernobyl betrat der Mensch zum ersten Mal und für lange Zeit ein unsicheres Terrain. Sich dieser Tatsache  entziehen zu wollen und die Ukraine ihrem Schicksal zu überlassen birgt das Risiko, dass sich die Geschichte wiederholt. Der Mensch hat ein kurzes Gedächtnis, das Atom hingegen ein langes Leben.

[…]

In der Zone reichen ein falscher Schritt oder eine falsche Bewegung, sie merken nichts, aber nach zwei oder drei Jahren sind sie auf einmal krank. Auch wenn es paradox klingt: Man muss die Menschen an diesen Ort führen, gut es besteht ein Risiko, aber die Gefahr, dass in Vergessenheit gerät, was hier passiert ist, stellt in meinen Augen ein weit größeres Risiko dar.

Alexander Norikov, Verantwortlicher für Strahlenschutz in Tschernobyl

Die Geschichte hat sich mit Fukushima quasi wiederholt. Gerade weil die Menschen sogar Fukushima, wo sich der Unfall ja erst vor einem Jahr ereignet hat, schon fast wieder vergessen haben und deren Folgen runter gespielt werden ist es wichtig, Dokumentationen wie “Tschernobyl Forever” zu anzuschauen.

In den Medien entsteht teilweise der Eindruck, als wenn die Folgen der Katastrophe eh schon bald wieder vorbei sind bzw. manches nur eingebildet ist. Verschiedene Informationen tauchen auf, die erklären, dass die Strahlung “eh nicht so hoch ist”, obwohl Niemand genau sagen kann, welchen Einfluss ein dauerhaft ausgesetzt sein einer auch unter offiziellen Grenzwerten liegender Strahlung auf die Menschen und sogar deren Nachkommen (durch Erbgutschädigungen)  hat. In verschiedenen Dokumentation über Tschernobyl und die Folgen sieht man, welche großen Auswirkungen es auf die Menschen gehabt hat und hat aber auch wie viele Probleme die Menschen haben als Strahlungsopfer anerkannt zu werden, vor allem diejenigen, die erst Jahre später erkrankt sind bzw. die nicht die erwarteten Krankheiten haben.

In dieser Dokumentation geht es weniger um den Ablauf des, inzwischen in vielen Dokumentation behandelten, Unfalls selber sondern um einen Teil der Folgen. Es kommen verschiedene Betroffenen und zum Teil auch schon Nachfahren zu Wort.

Man bekommt einen kleinen Eindruck des Umgangs mit dem Unfall und deren Folgen, sowohl des künstlerischen (Spiel Stalker, Musik, Filme) aber auch der Diskussion um den Bau einer neuen Schutzhülle für den explodierten Reaktor.

Diese ist aufgrund von verschiedenen Verzögerungen nach wie vor nicht fertig. Die Fußball Europameisterschaft ist/ war eines der Projekte, die in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Aber gerade in diesem Zusammenhang sollte man auch auf die “anderen Seiten” der Ukraine schauen, auch wenn es für die meisten Menschen, auch für die Fußball-Touristen, keine Möglichkeit gibt sich die Angelegenheit aus der Nähe anzuschauen. Obwohl der Unfall drastische Auswirkungen auf die Ukraine (und das angrenzende Weißrussland) gehabt hat und weiter hat, unter Anderem eine starke Bevölkerungsabnahme, viele kranke Menschen, darunter sehr viele Kinder und weite Gebiete verseuchtes Gebiet scheint es viele Menschen zu geben, die über die Thematik wenig Informationen haben und haben wollen. Die Menschen, nicht nur den Betroffenen in der Ukraine und Weißrussland, dürfen nicht vergessen, dass eine derartige Verstrahlung nicht nach mehreren Jahre verschwindet, wie spektakuläre Meldungen aus den Medien und das davon über Jahrhunderte zahlreiche Menschen betroffen sind und deren Nachkommen und dass gerade wirtschaftlich und politisch instabile Länder eine Unterstützung bei der Bewältigung derartiger Probleme brauchen. Derzeit arbeiten die Menschen vor Ort mit unzureichenden Mitteln daran, die Atomruine zu beobachten und unter Kontrolle zu bekommen/ behalten. Menschen begeben sich in große Gefahr, um nach zuschauen, wie die Situation im “Sarkophag” derzeit ist.

Wenn die Situation auch in Zukunft nicht eskalieren soll ist es notwendig einerseits die neue Hülle bald fertig zu stellen, und auch die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen (die Entfernung der Kernbrennstoffe aus den bis 2000 in Betrieb befindlichen anderen drei Reaktoren) aber auch eine Entsorgung der Atomruine, die langsam am Zerfallen ist und die Erforschung der dafür notwendigen Technologien, die dafür sorgen sollen, dass dies passieren kann ohne Menschen mehr als notwendig Gefahren auszusetzen. Dazu muss sicher gestellt werden, dass die Ukraine die Kernkraftwerke, die zur Zeit des Unfalls in Bau waren, und deren Baustellen nach mehreren Jahrzehnten marode geworden sind, nicht mehr weiter gebaut werden. Die Ukraine muss andere Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung bekommen als den Verkauf von Atomstrom an die Länder der EU.

Website zum Film: http://www.arte.tv/de/3839774.html

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