Erster grosser Studentenprotest in Salzburg im Jahr 1711

Der erste größere Studentenprotest in Salzburg fand bereits im Jahr 1711 statt. Der Anlass dafür war, dass ein Student der Universität (Wolfgang Ignatius Rudolf Würth) eine Schmähschrift gegen den damaligen Rektor P. Kölestin Rohrmoser und mehrere Professoren verfasst und unter den Studenten verbreitet hatte. Laut Universitätschronik landetet er dafür am 6. März im akademischen Gefängnis (Die Universität war damals für die Bestrafung der Studenten auch bei außerhalb der Universität begangenen Straftaten zuständig)

Obwohl dies einen Verstoß gegen die studentischen Privilegien bedeutet hat lies der Rektor vom Erzbischof einen Kommissionär ernennen der am 20. März ohne Verhandlungen und ohne dass ein Verhör ein Ergebnis gebracht hatte folgende Strafe verhängt hat:

  • Student musste kniend Professoren um Verzeihung bitten
  • Schmähungen schriftlich widerrufen
  • sollte von der Uni relegiert und des Landes verwiesen werden
  • dazu sollte er 25 Stockhiebe erhalten (so viele Strophen wie das Lied lang war)

Daraufhin wurde von seinen Studienkollegen am 25. März ein Vorlesungsstreik ausgerufen. Studenten die sich nicht beteiligen wollten wurden gewaltsam am Vorlesungsbesuch gehindert. Die Forderungen der Streikenden waren:

  • Keine körperlichen Züchtigungen an Studenten
  • die Privilegien der Studenten sollten öffentlich ausgehängt werden

Würth wurde begnadigt und die Verweisung rückgängig gemacht, die Hiebe erhielt er in leichter und symbolischer Form (?). Trotzdem gingen die Proteste weiter, Ausgleichsversuche scheiterten und der Stadthauptmann Graf Kueffstein wurde vom Rektor ersucht Soldaten zum Schutz des Universitätstores bereitzustellen. Daraufhin drohten die Studenten dass sie bei einem Militäreinsatz den Rektor und einige Professoren töten, das Kolleg plündern würden und auch auch vor Brandlegungen in der Stadt nicht zurückschrecken würden.

Deshalb schaltete sich der Erzbischof Franz Anton von Harrach ein. Er schickte einen Abgesandten der dem Senat folgendes nahe legte:

  • Die Privilegien der Studenten sollten durch öffentlichen Anschlag bekannt gegeben werden
  • Körperliche Züchtigungen von Studenten sollten eingestellt werden
  • Der Senat sollte zugeben, dass es falsch gewesen sei diese Angelegenheit an den Landesfürsten heranzutragen, weil dies eine Immunitätsverletzung darstellen würde
  • es wäre ein Fehler gewesen nicht für die Erlassung der Strafe zu intervenieren

Der Rektor wies die Forderungen jedoch zurück. Am 9. April musste er jedoch ein fürstliches Dekret zur Kenntnis bringen.

  • Studenten seien von Professoren zum Widerstand aufgefordert worden anstatt wie es ihre Pflicht gewesen wäre sie zum Vorlesungsbesuch zu ermahnen, er hoffe auf eine Änderung in dieser Hinsicht.
  • Er ordnete an die kaiserlichen und päpstlichen Privilegien den Studenten durch öffentlichen Anschlag bekannt zu geben
  • Es enthielt einen Seitenhieb auf einzelne Professoren/ Gegner des Rektors da es im Kollegium Spannungen gab nachdem der Erzbischof einige Jahre davor einem vom akademischen Senat gewählten Rektor die Bestätigung versagt hatte.

Am 11. April verlas der Rektor in der Aula der Universität die vom Erzbischof gewünschten Punkte und gab die Privilegien bekannt und rief die Studenten dazu auf wieder die Vorlesungen zu besuchen und weitere Tumulte zu unterlassen. Die Proteste gingen aber trotzdem weiter und die Studenten forderten die neuerliche Verlesung bei der 3 oder 4 Studenten eine korrekte Verlesung kontrollieren sollten. Der Rektor wies die Forderung aber zurück.

Daraufhin gab es wieder eine Aufruhr und eine Petition der Professoren an den Erzbischof mit folgendem Inhalt:

  • Die Adeligen sollten unter Androhung des Ausschlusses vom Hofdienst zum Besuch der Kollegien gezwungen werden
  • Die Salzburger Bürger sollten ihre Söhne dringend ermahnen dies ebenso zu tun
  • Der Erzbischof möge ein Dekret veröffentlichen wonach alle die die Vorlesungen schwänzten als Rädelsführer angesehen würden

Der Erzbischof bewilligte die Forderungen und stellte das Militär in Bereitschaft. Daraufhin stürmten die Studenten die Universität und drangen ins Rektorat vor. Der Erzbischof schickte Soldaten und lies die Streikenden zerstreuen. Daraufhin patrollierten Tag und Nacht Soldaten in der Stadt. Am 18. April war eine Studentendelegation beim Rektor. Dieser empfand den Verhandlungston aber als unangemessen wodurch es keinen Erfolg bei den Verhandlungen hab. Die Studenten drohten an die Stadt zu verlassen.

Der Erzbischof erklärte nachdem ihm der Rektor den Sachverhalt geschildert hatte Jeder könne die Uni verlassen wenn er folgendes beachte:

  • er müsse seinen Namen aufschreiben
  • alle Gläubiger befriedigen
  • binnen 24 Stunden Salzburg verlassen

Er bekäme aber kein Zeugnis.

Daraufhin stürmten 150 Studenten das Rektorat. Als der Rector Magnificius ihnen befahl sich gesittet aufzuführen und die Mützen vom Kopf zu nehmen setzten auch die die sie abgenommen hatten wieder auf. Der Rektor erklärte die Aktion zur öffentlichen Aufruhr und holte das Militär. Dies war aber die letzte größere Aktion dieses Streikes und ab 20. April 1711 (fast einen Monat nach Streikbeginn) ging der Vorlesungsbetrieb weiter.

Quelle: Max Kaindl-Hönig und Karl Heinz Ritschel, Die Salzburger Universität 1622 * 1964, Salzburg 1964, 151-152.

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